Lobster Experten Fragen

Fortras

Fortras steht heute für einen Nachrichtenstandard, der für den Datenaustausch zwischen bzw. mit Speditionen genutzt wird. Hier geht es zum Glück recht übersichtlich zu. Es gibt drei gebräuchliche Nachrichtentypen, das sind Verladeinformationen alias Borderos, Statusberichte und Entladeberichte. Diese wiederum gibt es in mehreren Versionen, genannt „Release“. Release 2 bis 5 (die 1 wurde wohl gleich übersprungen) enthält alle drei Nachrichtentypen, in Release 6 gab es nur kleine Änderungen an den Borderos, und für Release 100 wurden dann alle drei noch mal ordentlich überarbeitet.

Da ein augenfälliger Unterschied zwischen diesen Versionen die Länge der einzelnen Satzarten ist (128 Zeichen bei Release 2-6, 512 Zeichen bei Release 100), kann man die ganze Vielfalt der üblichen Fortras-Nachrichten in folgender, kurzer Liste zusammenfassen:

  • Release 2-6 mit 128 Zeichen Satzlänge:
    • BORD128: Bordero (Verladeinfos)
    • STAT128: Statusdaten
    • ENTL128: Entladebericht
  • Release 100 mit 512 Zeichen Satzlänge:
    • BORD512: Bordero (Verladeinfos)
    • STAT512: Statusdaten
    • ENTL512: Entladebericht

Beispiel: BORD512
Hier mal die Satz-Struktur eines Borderos im Release 100:

Struktur eines BORD512, dargestellt im Lobster DataWizard (Fortras)
Struktur eines BORD512,
dargestellt in Lobster_data

 

Und passend dazu das Beispiel einer solchen Datei, auf die Satzartkennungen und ein paar wesentliche Werte reduziert:

@@PHBORD512 1234  56  7 8 SENDER  EMPFAENG
A00STDSendungs-Kopfdaten
B00001SHPVersenderangaben Sendung 1
B10001TELTelephonnummer
B00001CONEmpfaengerangaben
B10001TELTelephonnummer
D00001001Packstücke, Positionsangaben, Gewichte usw.
F00001001Barcode1
F00001001Barcode2
G00001Sendungssummen
H00001Text1
H10001Text2
H10001Text3
B00002SHPVersenderangaben Sendung 2
... die zweite Sendung ...
J00Summen zu allen Sendungen
Z00Kontrollsatz
@@PT

In der Baumdarstellung oben mag es etwas seltsam wirken, dass die Satzarten B00 und B10 zwei mal auftauchen, einmal mit dem Zusatz „-SHP“, einmal als „Adresse_Rest“. Den Grund dafür kann man an den Daten erkennen: Jede Sendung innerhalb der Datei beginnt mit den Adressangaben zum Versender (Shipper = SHP). Danach können aber verschiedene weitere Adressangaben auftauchen, wie eben die zum Empfänger (Consignee = CON). Und zu jeder Adresse gibt es noch Kontaktinformationen wie die Telefonnummer im B10-Satz. Diese Logik, dass die SHP-Adresse eine Sendung einleitet, wird in dieser Baumdarstellung eben auf diese spezielle Weise abgebildet.

Wie schon gesagt, jede Satzart in Fortras Release 100 ist 512 Zeichen lang. Also ist in einer realen Datei auch normalerweise jede Zeile mit Leerzeichen auf die entsprechende Länge aufgefüllt, falls die enthaltenen Daten nicht genug Zeichen hergeben. Und wie im allgemeinen Teil zu Fix Record schon gesagt, wird das gemacht, wenn man sich strikt an die Regel der festen Satzlänge hält. Nutzt man stattdessen Zeilenumbrüche, werden auch gerne mal die Füllzeichen hinten weggelassen.

Zwei Zeilen verdienen noch besondere Aufmerksamkeit: die mit @@ vorne dran.

@@PHBORD512 1234  56  7 8 SENDER  EMPFAENG

Alle Fortras-Formate beginnen mit solch einer Zeile. Immer steht @@PH am Anfang, danach kommt das Formatkürzel, wie es auch schon oben in der Liste steht (also alles von BORD128 bis ENTL512), und danach Angaben zu Sender und Empfänger der Daten und ein paar Kleinigkeiten.

@@PT

Zeigt das Ende der Datei an.

Wie bei VDA werden Zahlen links mit Nullen, andere Werte rechts mit Leerzeichen aufgefüllt. Auch Fortras verwendet implizite Nachkommastellen, so wird aus einer 3.05 z.B. eine 00003050.