Lobster Experten Fragen

WebDAV

WebDAV (Web-based Distributed Authoring and Versioning) ist eine Erweiterung von HTTP, die es in gewisser Hinsicht wieder zu seinen Wurzeln zurückführt. Die ursprüngliche Idee von Tim Berners-Lee war nicht, über das WWW Schuhe, Klingeltöne und sonstigen Tand zu verkaufen oder Filme Art anzusehen, sondern ernsthaft damit zu arbeiten. Webseiten sollten nicht der ganzen Welt zum passiven Konsum vorgeworfen werden, sondern gemeinsam aktiv, kooperativ bearbeitet werden. Ein bisschen davon gibt es heute bei den WIKIs wieder zu finden.
Wenn mehrere Personen gemeinsam eine Datei im Netz bearbeiten, braucht es zu den simplen Möglichkeiten, die Datei vom Server zu laden und wieder dort zu speichern, auch noch Mechanismen, eine Datei während der Bearbeitung für andere zu sperren (damit man sich nicht gegenseitig überschreibt) und am besten auch eine Versionskontrolle, um alte Stände wiederherstellen zu können. Dies und ein paar Operationen zum Verschieben, Kopieren und Löschen von Dateien sowie die Arbeit mit Verzeichnissen bietet WebDAV.

WebDAV und EDI

Wenn wir uns im EDI-Umfeld bewegen, sind die ganzen, schönen Editier- und Versionierungsmöglichkeiten relativ uninteressant. Da müssen wir Daten in unser EDI-System hineinbekommen bzw. von diesem wieder hinausschicken. Es geht also letztlich nur um Datentransport. Schaut man sich unter diesem Aspekt die Methoden an, die WebDAV bietet (zusätzlich zu denen von HTTP), stellt man fest, dass diejenigen, die im EDI-Bereich interessant sind, eigentlich auch im FTP-Protokoll vorhanden sind. Und da gibt es sogar noch ein paar mehr Möglichkeiten. Wobei letztlich auch HTTP selbst mit GET und POST alles für diese Zwecke Nötige bereitstellt.
Wo ist jetzt der Vorteil von WebDAV? Nun ja, gegenüber FTP hat es den Vorteil, dass HTTP von praktisch jeder Firewall durchgelassen wird und man auch beim Einsatz von SSL-Verschlüsselung nicht auf die Probleme wie bei FTPS treffen wird (siehe FTP-Artikel). Gegenüber einfachem HTTP hat es den Vorteil, dass man mit einer Verzeichnisstruktur arbeiten (und sie auch modifizieren) kann, ähnlich wie bei FTP. Ob man nun einen WebDAV-Server an seinen HTTP-Server andockt (es gibt viele davon) oder ein simples CGI-Script, das Daten per Post entgegennimmt (Download per GET geht ja sowieso), dürfte ansonsten ziemlich egal sein. Ach ja, Benutzerrechte sind noch ein Pluspunkt, die hat aber wiederum FTP auch.

Letztlich dürfte der Einsatz von WebDAV in einem EDI-Szenario schlicht dann sinnvoll sein, wenn einer Ihrer Partner Ihnen auf diese Weise Daten zur Verfügung stellt. Für diesen Fall sollte eine EDI-Software deshalb auch das WebDAV-Protokoll beherrschen.